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Campus - 21.04.2023 - 09:00 

Extremsportler als Coach: HSG-Studierende werden beim Bachelor-Abschluss zu Unternehmensberatern

Gegen Ende ihres Bachelorstudiums müssen BWL-Studierende der HSG reale Probleme von Unternehmen lösen: In einem Praxiskurs wenden sie das gesamte Wissen aus ihrem Studium an – und erhalten Einblicke in die Arbeitswelt. Gecoacht wurden sie dafür unter anderem von einem Extremsportler.

21'000 Kilometer auf dem Fahrrad teils durch Sibirien, 5000 Kilometer im Laufschritt durch Südamerika und 450 Kilometer schwimmend im Meer: So umrundete der 35-jährige Jonas Deichmann ab Ende 2020 auf sich allein gestellt die Welt. Der deutsche Extremsportler sprach im Februar 2023 zu BWL-Studierenden der HSG, um sie auf einen Meilenstein in ihrem Bachelorstudium einzustimmen: Im sogenannten Capstone-Projekt werden die Studierenden ein Semester lang zu Unternehmensberater:innen. Sie entwickeln Lösungen für reale Probleme, die verschiedenste Unternehmen ihnen stellen. «Habt den Mut, euren eigenen Weg zu gehen. Grosse Visionen müsst ihr auf kleine Ziele herunterbrechen», riet Deichmann den Studierenden. 

Diese arbeiten im Frühlingssemester 2023 mit Praxispartnern wie beispielsweise der Schweizer Armee, dem Beratungsunternehmen PWC und diversen Startups aus dem Nachhaltigkeits- und Bildungsbereich. «Sie wenden dabei ihr Wissen aus knapp drei Jahren Studium an und arbeiten in Gruppen an Problemen, für die es keine vorgegebenen Lösungswege gibt», sagt Heiko Bergmann, HSG-Titularprofessor für Entrepreneurship, der die Capstone-Projekte organisiert. 

Die Studierenden gehen bei der Lösungsfindung wissenschaftlich und vielseitig vor: Sie befragen Expert:innen, sie recherchieren intensiv, machen Umfragen und wenden Techniken zur Kreativitätsförderung und Entscheidungsfindung an. Erfahrende HSG-Dozierende stehen ihnen dabei als Sparringpartner zur Seite. 

Capstone stärkt die Praxis im HSG-Bachelorstudium

Das Format wurde 2021 im Rahmen der Bachelorreform an der HSG eingeführt. «Mit Capstone bekommt die Praxis im BWL-Bachelorstudium an der HSG ein deutlich stärkeres Gewicht», sagt Bergmann. Es ergänzt damit die Bachelorarbeit, die in der Regel theoretischer ausgerichtet ist. 

«Capstone gab mir die Möglichkeit, in einer Gruppe zu arbeiten, in der verschiedenes Expertenwissen vorhanden ist. Und es bereitet uns Studierende durch die Arbeit mit den Unternehmen darauf vor, was im Berufsleben auf uns zukommen kann», sagt die HSG-Bachelorstudentin Estelle Wavre. Sie hat im Rahmen von Capstone im Herbstsemester 2022 eine Analyse des Marktpotentials von veganem Hundefutter für ein Unternehmen erstellt. 

«Ich bin überzeugt, dass diese Art von Projekt lehrreicher ist als jeder andere theoretische Kurs», sagt Wavre. Gleichzeitig habe Capstone ihrem Team die Möglichkeit gegeben, theoretisches Wissen vom strategischen Management über Marketing bis hin zur Marktforschung anzuwenden. «Das war auch eine gute Gelegenheit, vertieft zu erkennen, wo unsere Interessen und Stärken liegen», sagt Wavre. 

Studierende üben Selbstkritik

«Tatsächlich ist die Förderung der Reflexionskompetenz der Studierenden ein wichtiges Lernziel der Capstone-Projekte», sagt dazu Bergmann. Alle Studierenden schreiben eine Arbeit darüber, was sie gemacht und gelernt haben und beleuchten den eigenen Arbeitsprozess kritisch. 

Zudem ist auch im Austausch mit den Unternehmen Reflexion, Selbstkritik und Agilität gefragt: Die Praxispartner müssen nach einer ersten Recherchephase einen Projektantrag der Studierenden genehmigen. Nach einer Zwischenpräsentation Mitte des Semesters gilt es allenfalls, Korrekturwünsche der Unternehmen einzuarbeiten. Am Schluss präsentieren die Studierenden ihre Ergebnisse unter anderem mit einem kurzen Video und einer Dokumentation, wozu sie wieder ausführliches Feedback erhalten.

«Es geht bei schwierigen Projekten darum, die Komfortzone zu verlassen», sagte Extremsportler Deichmann dazu passend zu den Studierenden. «Und natürlich braucht es für Erfolg auch Leidenschaft.»  

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