close

Forschung - 24.09.2019 - 00:00

Gesundheit als zentraler Erfolgsfaktor im Unternehmertum

Wer als Unternehmer oder Unternehmerin wirtschaftlich erfolgreicher und zufriedener sein will, muss in seine körperliche und psychische Gesundheit investieren. So können sogar Bildungsnachteile kompensiert werden, wie das Schweizerische Institut für Klein- und Mittelunternehmen der HSG (KMU-HSG) nachgewiesen hat.

24. September 2019. Wer unter körperlichen und psychischen Problemen leidet, hat als Unternehmer oder Unternehmerin einen klaren Nachteil, einerseits finanziell erfolgreich zu sein, aber auch um nichtmonetäre Ziele wie Wohlbefinden mit dem eigenen Unternehmen zu steigern. Dies zeigt die neueste Studie von Prof. Dr. Isabella Hatak und Prof. Dr. Haibo Zhou, die kürzlich im hochrangingen Fachjournal Entrepreneurship Theory and Practice erschienen ist. Der Effekt, dass körperliche und psychische Gesundheit einen positiven Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat, tritt bei Unternehmern und Unternehmerinnen ohne Angestellte und solchen mit niedrigerem Ausbildungsniveau besonders stark zutage. Bei Letzteren sogar dermassen, dass der Faktor Gesundheit die fehlende höhere Bildung hinsichtlich Erfolgschancen kompensiert.

Bei Männern hat die Psyche einen grösseren Einfluss

Die Studie zeigt überdies, dass sich die psychische Gesundheit bei Unternehmern stärker in finanziellem Erfolg niederschlägt als bei Unternehmerinnen. Eine mögliche Erklärung finde sich in der biologischen Forschung, erklärt Prof. Dr. Isabella Hatak. Die Hormone, die für Reproduktionserfolg verantwortlich sind, führen bei Frauen zu ausgeprägter sozialer Kognition und Einfühlungsvermögen. Diese Eigenschaften wären für den unternehmerischen Erfolg wichtig. Gleichzeitig tragen aber genau diese Hormone auch dazu bei, dass Frauen wesentlich öfter unter mentalen Krankheiten wie Depressionen leiden, was sich wiederum negativ auf den Unternehmenserfolg auswirkt. «So kommt es zu einem ‘zero-sum game’ im Hinblick auf die finanzielle Erfolgswirkung der psychischen Gesundheit von Unternehmerinnen.»

Doch nicht nur der Gesundheitszustand des Unternehmers oder der Unternehmerin selber ist ein Erfolgsfaktor. Auch die Gesundheit des Ehepartners hat einen signifikanten Einfluss. Geht es diesem körperlich gut, so steigert dies direkt den finanziellen Unternehmenserfolg. Ist der Ehepartner zusätzlich noch psychisch wohlauf, so macht dies den Unternehmer oder die Unternehmerin auch zufriedener mit dem eigenen (geschäftlichen) Leben.

Gesundheitliche Förderung ist Wirtschaftsförderung

Für ihre Studie haben die beiden Autorinnen über 5608 Unternehmerhaushalte über die Jahre 2002 bis 2015 basierend auf repräsentativen Paneldaten des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung Berlin analysiert. Für Unternehmer und Unternehmerinnen zeigen die Ergebnisse der Studie, dass es sich lohnt, in die eigene Gesundheit und auch die des Ehepartners zu investieren.

Aber auch die Politik könnte Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen. Prof. Dr. Isabella Hatak: «Erfolgsförderung von Unternehmertum muss über Entrepreneurship Education hinausgehen, denn unternehmerische Gesundheit ist ‘everyone’s business’. Deren Stärkung trägt nicht nur zu einer Senkung der Gesundheitsausgaben, sondern auch zu einer nachhaltigen Realisierung der wirtschaftlichen Potenziale wie Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit durch Unternehmertum bei.» Auf nationaler Ebene wäre es daher wichtig, Massnahmen zur präventiven Gesundheitsförderung von Unternehmern und Unternehmerinnen – und deren Ehepartnern - zu fördern, beispielsweise durch steuerliche Absetzbarkeit der Kosten für Fitness-, Meditations- oder Yogaprogramme.

Bild: Adobe Stock / magele-picture

north