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Campus - 01.12.2022 - 13:47

«Dieser Kurs ist ein Bekenntnis der HSG zur wichtigen Rolle von Diversität»

Ein neuer Kurs an der HSG beschäftigt sich mit Diversität in Unternehmen sowie Alltagsrassismus. Die Studierenden lernen unter anderem, wie man heterogene Teams führt und wie diese Unternehmen innovativer und erfolgreicher machen.

«Einerseits wollen wir die Studierenden für Diskriminierung sensibilisieren, die oft auch unbewusst im Alltag geschieht. Andererseits wollen wir ihnen zeigen, wie heterogene Teams Unternehmen stärker machen und wie man diese Teams führt», sagt Christian Pierce, Projektleiter am HSG-Kompetenzzentrum für Diversity & Inklusion (CCDI). Gemeinsam mit der HSG-Professorin und CCDI-Direktorin Gudrun Sander, Expertin für Diversity- und Gender-Management, führt Pierce im Herbstsemester 2022 erstmals den Kurs «Increasing Racial and Ethnic Equity in Switzerland» an der HSG durch. 

Pierce und Sander entwickelten die Idee zum Kurs gemeinsam, nachdem sie bereits an der St.Galler Diversity & Inclusion Week 2020 einen Workshop zu diesem Thema veranstaltet hatten. «Die Tötung von George Floyd hatte damals den öffentlichen Diskurs über Rassismus und ethnische Diskriminierung verstärkt, auch in der Schweiz», sagt Pierce. «Zudem hat die HSG in den Bereichen Management und Unternehmertum eine Vorreiterrolle.» Zu diesen Themen gehöre in der heutigen, international vernetzten Wirtschaft der Umgang mit Diversität in Bezug auf Ethnie oder Herkunft dazu. «Wir möchten die HSG-Lehre in diesem Bereich weiter stärken», so Pierce.

Diversität stärkt Geschäftserfolg und Innovation

Zur Einführung arbeiten sich die Studierenden mit einer breiten Perspektive in das Thema des Kurses ein: Sie lesen Texte zur grundsätzlichen Struktur und Funktion von Diversity Management, zur Bedeutung von ethnischer und herkunftsbezogener Gleichheit in Organisationen sowie zu post-kolonialem Rassismus in der Schweiz. «Wir diskutieren auch den Einfluss, den Diversität auf die Performance von Unternehmen hat», sagt Pierce. Firmen, die im Umgang mit ethnisch und geschlechtlich vielfältigen Teams stark sind, profitierten davon auch finanziell. 

So zeigt etwa eine 2018 veröffentlichte Studie der weltweit tätigen Unternehmensberatung McKinsey eine Korrelation zwischen Diversität und Geschäftserfolg. Dafür wurden 1007 Unternehmen in zwölf Ländern befragt und nach finanziellen Kennzahlen analysiert. «Bei Unternehmen mit besonders ausgeprägter ethnischer Vielfalt steigt die Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein, um 33 Prozent», schreiben die Studienautoren. Pierce und Sander lassen die Studierenden zudem eine Studie des US-Soziologen Cedric Herring lesen. Dieser wertete Daten von über 1000 US-Firmen aus und kam zum Ergebnis kam, dass ethnisch und nach Herkunft diverse Unternehmen mehr Umsatz, mehr Kunden, grössere Marktanteile und höhere relative Gewinne verbuchen können. «Ausserdem sind Firmen mit diversen Teams innovativer, da bei ihnen viele verschiedene Perspektiven zusammenkommen», sagt Pierce. 

Grosse Dunkelziffer bei Rassismus

Neben betriebswirtschaftlichen Aspekten erarbeiten sich die Studierenden eine Grundlage über die Geschichte sowie den aktuellen Stand von Rassismus und Diskriminierung in der Schweiz. Pierce sagt dazu, dass es bei rassistischen Vorfällen immer eine grosse Dunkelziffer gebe. Aktuelle Zahlen des Beratungsnetzes für Rassismusopfer zeigen jedenfalls eine Zunahme: 2021 wurden dem Netzwerk 756 Vorfälle gemeldet, von denen schliesslich 630 Fälle beraten wurden. Im Jahr 2019 erhielten erst 352 Fälle eine Beratung. 

Zum Kurs gehört auch ein Stadtrundgang durch St.Gallen mit dem Historiker Hans Fässler. Dieser zeigt etwa Spuren des Kolonialismus an Häusern der Altstadt oder zeigt Gebäude, die früheren Besitzern von Sklavenplantagen gehörten. «Das Verständnis darüber, was in der Vergangenheit passiert ist, schärft den Blick für heutige, weiterhin bestehende Diskriminierungen», sagt Pierce. Damit HSG-Studierende mit Diversität in Unternehmen erfolgreich arbeiten können – auch als allfällige spätere Führungskräfte – sei eine möglichst breite Kenntnis des Themenbereiches wichtig.

Nach dieser Einarbeitung präsentieren Pierce und Sanders den Studierenden verschiedene Fälle von Diskriminierung in Schweizer Unternehmen und Organisationen und diskutieren diese in der Klasse. Die beiden Dozierenden beraten auch Unternehmen und Organisationen zum Thema Diversity und führen Workshops durch. Entsprechend können Sie auf reale, anonymisierte Fallbeispiele zurückgreifen. 

Pierce und Sander möchten den Kurs im Herbst 2023 wieder durchführen. «Mit der Bewilligung der erstmaligen Durchführung dieses Kurses hat die HSG auch ein Bekenntnis dazu abgelegt, wie wichtig dieses Thema gerade für Bildungsinstitutionen ist», sagt Pierce.
 

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