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Hintergrund - 25.10.2022 - 00:00 

Bundesrat Guy Parmelin am ITBO Summit zu Gast

Mit der IT-Bildungsoffensive (ITBO) fördert der Kanton St.Gallen seit 2019 den digitalen Wandel und wirkt damit dem Fachkräftemangel in der Ostschweiz entgegen. Im Beisein von Bundesrat Guy Parmelin blickte der ITBO Summit 2022 auf das Erreichte und diskutierte die kommenden Schritte.

 

25. Oktober 2022. Bildungsorte aller Schulstufen arbeiten seit drei Jahren an zukunftsweisenden Projekten, um den Kanton St.Gallen als Bildungs- und Wirtschaftsstandort zu stärken. In fünf Schwerpunkten werden sieben Projekte mit 23 Teilzielen vorangetrieben. Zum ersten Mal seit dem Start der Bildungsoffensive kamen die Involvierten am ITBO Summit vom Montag, 24. Oktober, im SQUARE an der Universität St.Gallen (HSG) zusammen, um die Vernetzung zu stärken.

Den Schwung erhalten und verstärken

Der ITBO Summit umfasste zwei Teile. Zunächst tauschten sich der Programmausschuss, der Beirat und die Projektausschüsse zur organisationsübergreifenden Zusammenarbeit aus. Danach gingen ein Gespräch mit Bundesrat Guy Parmelin und eine Podiumsdiskussion der Frage nach, wie der Schwung von Initiativen wie der ITBO auf lange Sicht genutzt und verstärkt werden kann. HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller erinnerte in seinem Grusswort daran, dass die ITBO den Anstoss gab, bereits im August 2020 an der Universität St.Gallen die School of Computer Science zu gründen. Die neue School habe sich in der Zwischenzeit sehr gut in die Universität integriert und stärke die Mission der HSG.
 

«Die Digitalisierung betrifft uns alle. Sich ihr zu entziehen ist unmöglich», betonte Bildungsdirektor Stefan Kölliker. Die ITBO sei ins Leben gerufen worden, um die ganze Bildungslandschaft in die digitale Zukunft zu katapultieren. «Sie investiert bewusst nicht in die Infrastruktur, sondern in die Menschen.» Bereits seien aus der Offensive spannende Projekte entstanden wie beispielweise das Digital Talents Program, das Quereinsteigern den Einstieg in die Branche ermöglicht.

Die Schweiz hat Nachholbedarf

 

 

Bundesrat Guy Parmelin lobte die Initiative, welche der Kanton St.Gallen mit der IT-Bildungsoffensive ergriffen hat. Die Schweiz sei erst kürzlich wieder zum innovativsten Land erkoren worden. Was die Digitalisierung betreffe, hinke sie aber noch immer hintennach. «In diesem Bereich müssen wir ganz klar besser werden», betonte der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Gerade weil sich der Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung in hohem Tempo verändere, müssten sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene digitale Kompetenzen aneignen, um im Leben und bei der Arbeit mithalten zu können.
 

Im Gespräch mit dem ehemaligen Tagesschau-Moderator Franz Fischlin kam Guy Parmelin auch auf den Fachkräftemangel zu sprechen. Betroffen sei nicht nur die IT-Branche, sondern beispielsweise auch das Gesundheitswesen oder die Gastronomie. Die Rezepte seien nicht überall die gleichen. Einerseits gehe es um neue Bildungswege, anderseits aber auch um Lohnfragen oder die Attraktivität der Arbeitsbedingungen. Der Bund könne zur Überwindung des Fachkräftemangels entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Darüber hinaus brauche es aber auch die Initiative weiterer Kreise. Gerade bei der Digitalisierung, die alle Lebensbereiche durchdringe, seien alle aufgefordert, sich digital fit zu machen. Bei allen Bestrebungen dürfe man allerdings auch nicht vergessen, dass neue Technologien immer im Interesse der Menschen stehen müssten, betonte er abschliessend.

In der Paneldiskussion ging es vor allem um die Frage, wie die nächsten Schritte in der IT-Bildungsoffensive aussehen sollen. Auf dem Podium sassen Stefan Kölliker, Regierungsrat und Bildungsdirektor St.Gallen, Cornelia Diethelm, Expertin für Digitale Ethik, Dalith Steiger, Expertin für künstliche Intelligenz, und HSG-Student Max Keller, Präsident Start Global. Stefan Kölliker sprach an, dass das Volk für die IBTO 75 Millionen gesprochen hat. Weitere 15 Millionen kämen von der Wirtschaft hinzu. «Es ist nicht selbstverständlich, dass für das Vorhaben soviel Geld bewilligt wurde. Wir sehen uns deshalb stark in der Pflicht, ganz genau hinzuschauen, wofür die Finanzmittel eingesetzt werden», betonte er.
 

HSG-Student Max Keller regte an, die Studierenden besser in die Diskussion einzubeziehen. Sie seien es, welche zum grossen Teil mit der Digitalisierung aufgewachsen seien. Dalith Steiger gab zu bedenken, dass zurzeit mehrere neue Technologien auf den Markt drängten, welche die Digitalisierung in einem noch höheren Tempo beschleunigten. «Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren und müssen vorwärts machen.» Cornelia Diethelm plädierte dafür, bei der Bildung nicht allein auf die Ökonomisierung, sondern auch die humanistische Seite zu achten. «Die Menschen brauchen neben digitalen Fähigkeiten auch Sozialkompetenz, um im Leben zu bestehen.»

Claudia Schmid 
 

Bilder: Kanton St.Gallen, Bildungsdepartement

 

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