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Die Krise ist nicht ausgestanden

Die Weltwirtschaftskrise dauert an, die Kreditfähigkeit von neun Ländern der Eurozone wird herabgestuft, und der Protektionismus gefährdet den Aufschwung: So haben sich HSG-Experten in den Medien geäussert.

Euro-Wechselgeld Geldbörse

20. Januar 2012. Anfang Jahr stufte die Ratingagentur Standard & Poor's neun Eurozonenländer von AAA auf AA+ herab, darunter Frankreich, Österreich, Italien und Spanien. Und am 16. Januar wurde die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) auf AA+ herabgestuft, womit es schwieriger wird, für den Rettungsschirm zu niedrigen Zinsen Geld aufzunehmen.

Wer überwacht die Ratingagenturen?
Während einige Kreise verlauten liessen, dass Ratingagenturen wie Standard & Poor's die Realität erst spät erkannt hätten, warfen andere die Frage auf, ob sie nicht selbst auch politische Ziele verfolgten. Im Dezember 2011 sprach Prof. Dr. Manfred Gärtner von der HSG in der BBC-Sendung «Today» über die Rolle der Ratingagenturen.

«Die Ratingagenturen sind heutzutage eine wesentliche Bedrohung für die Weltwirtschaft», sagte Gärtner und fügte bei, dass Standard & Poor's bereits vor den Eurozonengipfel von Dezember 2011 angekündigt hatte, dass sie mit der Androhung von Herabstufungen auf die führenden Staaten Druck auszuüben gedenke.

«Für mich ist dies ein Skandal, weil damit aufgezeigt wird, dass sie politische Ziele verfolgen, und das hat nicht zu ihren Aufgaben zu gehören», sagte Manfred Gärtner. «Meines Erachtens ist es ein Schlag ins Gesicht der Leute, die Moody’s und Konsorten verteidigten, indem sie sie mit unschuldigen Wetteransagern verglichen, was sie offenkundig nicht sind.» Professor Gärtner sagte weiter, dass Gerichtsverfahren eingeführt werden sollten, mit denen ein Land eine Ratingagentur für den von einer unangemessenen Herabstufung verursachten Verlust auf Schadensersatz verklagen könne, wodurch eine gewisse Rechenschaftspflicht geschaffen würde.

Protektionismus grassiert weiter
Jeremy Warner vom «The Telegraph» kritisierte am 6. Januar 2012 eine Diskussion auf dem Fernsehsender BBC Two, in der die Gesprächspartner übereinstimmten, dass die andauernde Wirtschaftskrise nicht zu einem hohen Grad an Protektionismus geführt habe. Warner räumte ein, dass diese Ansicht von vielen geteilt werde, jedoch möglicherweise nicht der Wahrheit entspreche. Als Beweis führte er Prof. Dr. Simon Evenetts «Global Trade Alert» an, wonach davon auszugehen ist, dass «die protektionistische Gefährdung des Welthandelssystems wahrscheinlich so erheblich ist wie in der ersten Jahreshälfte von 2009».

«In unserem letzten Bericht», schrieb Professor Evenett, «wurde zu bedenken gegeben, dass ein sich verschlechterndes makroökonomisches Klima zu einem grösseren Mass an Protektionismus führen würde. Diese Befürchtung hat sich bestätigt.» Er fügte bei, dass die Meldungen über den Protektionismus 2011 so schlimm waren wie die Meldungen während derselben Zeitspanne im Jahre 2009 und dass viele protektionistische Massnahmen von grossen Handelsnationen eingeführt wurden und deshalb weitreichende Auswirkungen zeitigten. «Der neuerliche Protektionismus kann nicht als eine Grosszahl von unbedeutender Kleinigkeiten abgetan werden», sagte Prof. Dr. Evenett.

Die Schweiz und die Freihandelsabkommen
Die Aussichten auf die Fähigkeit der Schweiz, Massnahmen protektionistischer Politik in den grossen Handelswirtschaften umzusetzen, sind laut Matthew Allen von swissinfo.ch trüb. Allen schreibt, dass die Schweiz zwar eine Reihe individueller Freihandelsabkommen ausgearbeitet hat, jedoch «zu leichtgewichtig sei, um Hindernisse wie Menschenrechtsprobleme, Immaterialgüterrechtsstreitigkeiten, undurchsichtige Führungsstrukturen und Protektionismus zu bewältigen». Allen fragte Simon Evenett, ob die Schweiz in der Lage sei, mit stärkeren Wirtschaften eigenständig bessere Bedingungen auszuhandeln.

«Die Schweiz verhandelt mit sehr grossen Handelspartnern, die sich nicht gezwungen sehen, der Schweiz wesentliche Zugeständnisse zu machen», sagte Simon Evenett. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Indien oder China mit der Schweiz ein besonders innovatives Abkommen treffen werden. Auf dem Papier mag das vielleicht gut aussehen, aber meiner Meinung nach werden damit in der Schweiz kaum viele Arbeitsplätze geschaffen.»

Bild: Photocase / Jala

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